„Der Hype von Käufern mit viel Geld und wenig Ahnung hat deutlich abgenommen“

Classic Data ist der Marktführer bei der Bewertung klassischer Fahrzeuge. Am Forum in Köln wird Martin Stromberg, der Geschäftsführer von Classic Data, wissenswerte Zahlen und Fakten aus den Old- und Youngtimer-Märkten präsentieren. Im Interview spricht Martin Stromberg über die Trends der Branche, Fehlinformationen und Stammtischgespräche... 

Der Großteil der Pkw-Fahrer glaubt, dass man einen gut erhaltenen Oldtimer erst ab 15.000 Euro bekommt – und liegt damit falsch. Woran liegt das?
Stromberg: Der Hauptgrund liegt in der Fehlinformation, oftmals bei „Stammtisch-Gesprächen“. Hinzu kommt, dass die Presse in erster Linie über High-End-Fahrzeuge und Top-Seller im Millionenbereich schreibt. Die eigentliche Oldtimerszene, die nicht die Rendite, sondern das tolle Hobby beim Oldtimer sieht, steht seltener im Fokus der Medien. Ein Beispiel: Einen schönen, 45 Jahre alten Käfer im Zustand 2 bis 3 bekommt man schon unter 10.000 Euro und auch ein Opel Kadett B ist deutlich unter 10.000 Euro zu haben. Selbst eine 35 Jahre alte Mercedes Benz Limousine (W 123) um die 10.000 Euro ist ein wunderbarer Einstieg in die Oldtimerszene. 

Worin unterscheidet sich die Zielgruppe Youngtimer- von den Oldtimer-Besitzern, abgesehen vom Alter ihrer Fahrzeuge?
Stomberg: Oftmals basiert der Bezug zum Fahrzeug aus der Kinderzeit. Ein 50jähriger Oldtimerbesitzer erinnert sich an James Dean oder Steve McQueen und die Filme mit den entsprechenden Fahrzeugen. Aber auch an das Quartettspielen mit den Siegerkarten, welche Autos zeigten die man gerne einmal fahren und besitzen möchte. Entsprechend sprechen wir von Porsche 356 oder 911 aber auch von Mercedes-Benz 300 SL oder BMW 507.

Und wie ist das bei den Youngtimern?
Stromberg: Bei den Youngtimer-Besitzern ist es ähnlich. Nur ist hier eher das Auto des Vaters ein Mercedes Benz 190 E gewesen, welchen man nun gerne als 16V fahren möchte oder der Dreier BMW, den man nun als 325i Cabrio auf dem Wunschzettel hat. Filme wie Fast & Furious und entsprechende Fahrzeuge die vielleicht ein Paul Walker gefahren hat, sprechen dieses Publikum natürlich eher an. Somit alles wie immer, nur etwas zeitversetzt.

Welcher Trend zeichnet sich bei den Classic Cars ab?
Stromberg: Grundsätzlich kann man sagen, dass der Oldtimermarkt sehr stabil ist. Der große Hype von Käufern mit viel Geld und wenig Ahnung von Oldtimer - welche nur die Rendite und nicht das Hobby sehen - hat deutlich abgenommen. Der Markt beruhigt sich. Für besondere Fahrzeuge mit besonderer nachgewiesener Historie oder Renngeschichte, wird es aber auch weiterhin immer Sammler geben, die den Wert dieser Fahrzeuge als Kulturgüter schätzen und hohe Preise bezahlen werden.

Ihr Fazit?
Stromberg: Das Wichtigste ist der Spaß und die vielen glücklichen Momente mit dem Oldtimer. Die Entschleunigung sobald man hinter dem Lenkrad seines Oldtimers sitzt. Wie viel Spaß hat man schon mit einer Aktie, die an der Wand hängt oder im Ordner liegt? Insgesamt bleibt festzuhalten, das es kaum etwas nachhaltigeres gibt als Oldtimer zu fahren (keine Belastung durch die Produktion usw.